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Bericht DM 2020 Mehrkampf U16

Einfach mal entspannt zu einem Wettkampfwochenende nach Halle/S.? Ohne Trainer, die üblichen, sich gegenseitig beäugenden Konkurrentinnen oder Platzierungsdruck und mit einem frischen Schnupfen, der den letzten Rest einer Erwartungshaltung eliminiert?
Nach einem Freitag mit strikter Ruhe, um die Restchance auf Teilnahme zu wahren, fiel die Entscheidung zur Fahrt nach Halle erst am Samstag morgen.
Pünktlich 11:30 Uhr kamen wir im Stadion des SV Halle an, wo uns schon gut sichtbar die verschiedenen Zelte namhafter Vereine begrüßten, direkt gefolgt vom derzeitig üblichen Einchecken samt Fiebermessung.
Angenehme Temperaturen, Sonnenschein mit leichter Bewölkung - an bestem Leichtathletikwetter sollte der Wettkampf nicht scheitern.
Die Erwärmung musste zeigen, ob eine Belastung mit Erkältung möglich ist - Annika gab grünes Licht, die Sportfreunde Kladow betreten die nationale Bühne!


Es begann mit den 100m. Dort hatte sie erst vor zwei Wochen unter besten Bedingungen, in einem entspannten Lauf eine sehr gute Bestzeit aufgestellt. Dieses Mal musste sie direkt neben der derzeit zweitschnellsten Sprinterin Deutschlands starten, verbunden mit dem Wissen, dass "ganz Kladow" und "halb Leichtathletik-Berlin" mitfieberten. Etwas Druck war also durchaus da, doch sie brachte ihre Leistung auf die Bahn und lief mit 13,09s knapp über PB als Zehntschnellste des Feldes ins Ziel.

Danach ging es deutlich entspannter und stolz in den Weitsprung, für Annika immer eine Bank bei mehreren Wettkampfdisziplinen. Trotz Erkältung hofften wir auf die derzeit üblichen 5,16m (Annikas Vorleistungen in diesem Sommer klingen eher nach Ziel-Weitsprung: 5,16m, 5,15m,  5,16m). Wir wurden nicht enttäuscht - neue PB über 5,18m und damit Viertweiteste der gesamten Konkurrenz und auch die Sportlerinnen aus der nominell besseren Riege nahmen schon einmal wahr, dass da noch jemand ist. Zumal auch der Stadionsprecher seine Freude daran hatte, ihre Sprünge anzukündigen ("hier die 11, mit der Startnummer Annika Feßer aus... aus... Berlin!").
Die Favoritin auf den Gesamtsieg leistete sich hier im Übrigen einen Salto Nullo - damit war das Rennen um Gold nachdrücklich eröffnet.

Es gab eine längere Pause und zwischendurch immer wieder die Nachfrage nach Berlin: wie schnell, wie weit, wie hoch waren die Teamkameradinnen und die Konkurrenz bei den Blockmeisterschaften?
Richtige Ruhe und Freude kam erst rein, nachdem die Titelverteidigung durch Johanna und der erhoffte und dringend gewünschte Sieg durch Lole im Block Sprung fest standen. 

Es folgte das unvermeidliche Kugelstoßen. Trotz intensiver, aber einfach auch zu kurzfristiger Trainingsbemühungen war klar, dass sie dort viele Punkte lassen würde. Die Hürde für eine neue PB lag dabei aber niedrig genug, dass sie diesen Wettkampf nicht mit ganz schlechtem Gefühl abschließen musste und mit 7,27m (PB) den Ring verließ. Leider hieß das natürlich auch, dass sie in der Gesamtwertung zu diesem Zeitpunkt sehr weit durchgereicht wurde und der Angriff neu gestartet werden musste.

Der Hochsprungwettbewerb der W15 führte zu einer Verzögerung im Zeitplan (das wirklich einzige Manko in diesem großartig organisierten Wettkampf - großen Dank an den SV Halle und den LVSA!), womit der Hochsprung erst gegen 19:30 Uhr mit sich ankündigender Dämmerung beginnen konnte.
Nach sieben Uhr zum Einspringen an die Hochsprunganlage? Kennt Anni aus dem Training! Die Erwartungen waren niedrig - Hochsprung ist ihre Zitterdisziplin und die bisherige Besthöhe von 1,43m aus dem letzten Jahr schien fest gemeißelt und im Wettkampf unerreichbar zu sein.
Um wenigstens die Leistung aus Wesel von 1,40m zu bestätigen, fing sie bei 1,31m an und meisterte die Anfangshöhen souverän. Als das auch bis 1,40m klappte, fiel allen ein Stein vom Herzen und der eigentliche Wettbewerb konnte starten. Bei 1,43m sah es aber dann doch schon fast wieder so aus, als wäre die unsichtbare Grenze erreicht. Erst im dritten Versuch, mit Touchierung der Latte stand die Höhe in den Akten. Fröhlich und befreit konnte sie direkt die 1,46m hinterher springen und die 1,49m als Zugabe probieren. Auch dort kämpfte sie mit Rückfällen in alte Technikfehler, konnte aber im Dritten noch einmal jubeln, bevor 1,52m etwas zu hoch und die Latte um 20:05 Uhr kaum noch erkennbar waren.
6cm über PB bei einer DM, begleitet von einem wunderschönen Sonnenuntergang - kann man mal machen!

Noch Auslaufen, dehnen, ins Hotel, Essen, Runterkommen und dann ausreichend Schlaf und Erholung für den nächsten Tag bekommen - die unberechenbarste achte Disziplin des Siebenkampfs! Auch die konnte Annika gut meistern (besser als ihre Eltern) und wir standen am nächsten Morgen pünktlich 70min vor Wettkampfbeginn wieder im Stadion.

Um wieder etwas in Schwung zu kommen, stand eigentlich eine ruhige, etwas längere Erwärmung auf dem Programm - allerdings gab es dann einige Aufregungen und eine entscheidende Änderung im Ablauf: die 80m Hürden für Annikas Riege wurden 15 Minuten nach vorne verlegt, um den besseren Hochspringerinnen danach noch eine Möglichkeit für ihre Höhen (Abbruch wegen Dunkelheit) zu geben.
Also plötzlich eine relativ kurze Erwärmung (einmal Hürdenballett muss reichen) und dann ging es direkt zum Aufruf und zum Start.
Nun kann man Anni wecken und 80m Hürde laufen lassen, ohne sich Sorgen machen zu müssen - um bei ihrer Paradedisziplin in die Nähe der Bestleistung zu gelangen, sollte aber natürlich schon alles stimmen. Aber auch hier, am zweiten Wettkampftag, brachte Anni ihr Rennen von der Spitze weg mit einer sehr guten 12,29s ins Ziel.

Nach einem kurzen Ausflug zum Hochsprung - sie durfte das im Dunkeln schlecht erkennbare Reißen der 1,52m noch einmal bei Tageslicht wiederholen - ging es ans Speerwerfen.
Eigentlich eine recht gute Disziplin von ihr, allerdings fehlte auch da in den letzten Wettkämpfen die technische Sicherheit, so dass man keine Prognose abgeben und die Stimmung auch leicht kippen konnte. Als nominelle 30m-Werferin durfte sie in der besseren Gruppe mitwerfen, wo der Kampf um Platz 1 in vollem Gange war. Nach einem schlechten, aber immerhin gültigen ersten Versuch, fielen bei den anderen Mädchen im zweiten Versuch reihenweise die Bestleistungen, teilweise mit Werten zwischen 34 bis über 40 Meter - Weiten, auf die man in Berliner Wettkämpfen nicht häufig trifft. Unter diesem Druck zeigte Annika Nervenstärke und warf auch ihren Speer nah an die persönliche Bestleistung auf 29,93m! Der dritte Versuch brachte zwar keine Verbesserung, aber plötzlich war vor dem abschließenden 800m-Lauf die Top-15-Platzierung fast sicher und die 3.500-Punkte-Marke in greifbarer Nähe!

Als Dreizehnte der Gesamtplatzierung ging sie im vorletzten Lauf ins Rennen. Der 8. bis 15. Platz lagen relativ dicht beisammen, so dass die 800m über die endgültige Platzierung entscheiden mussten. Eine Zeit knapp über 2:40 waren notwendig, um die 3.500 Punkte zu erreichen - ein Ergebnis, das sie erst ein einziges Mal bei der Quali in Wesel erreicht hat. Und natürlich standen die Zeichen durch die Vorbelastung und die Erkältung nicht sonderlich günstig.
Ein relativ schnelles Angehen (erstmalig in Bahnen die ersten 100m laufend) forderte seinen Tribut. Die zweiten 200m waren zu langsam, auch die Dritten. Aber Annika konnte noch einmal alle Kräfte mobilisieren und überholte auf den letzten 200m eine, im Klassement vor ihr liegende, ordentliche 800m-Läuferin und nahm ihr im Spurt einige Meter ab - 2:38,50 und neue Bestzeit im Ziel!

Die 3.500 Punkte waren sicher, aber welche Platzierung?
Der abschließende 800m-Lauf war ein Krimi um den ersten Platz. Emma Kaul (ja, genau - die kleine Schwester...) lag 9 Punkte hinter der führenden Levke Schaal, die allerdings eine recht gute 800m-Läuferin ist. Nach zügigen 600 Metern Seit an Seit zog Emma noch einmal an und sprintete ihrer Konkurrentin in beeindruckender Weise davon. Mit deutlicher neuer Bestzeit holte sie sich den Gesamtsieg und forderte allen Teilnehmern und Zuschauern tiefen Respekt ab.
Und Anni?
Am Ende wurde sie hervorragende Neunte! Nur zwei Pünktchen hinter den Urkundenrängen. Da der Leichtathletik-Gott diese zwei Pünktchen am Tag vorher schon sinnvoller für Loles Sieg eingesetzt hatte, war ihm das schnell verziehen und die große Freude blieb ungetrübt.
3.517 Punkte, 160 Punkte mehr als in der Qualifikation und die Top-Ten-Platzierung bei einer Deutschen Meisterschaft - ein Ergebnis nah am absoluten Optimum, das man sich im Vorfeld vielleicht erträumen aber keinesfalls erhoffen konnte!

Ein schönes Wettkampfwochenende ging zu Ende, mit vielen netten, neuen Bekanntschaften und der Erkenntnis, das der Mehrkampf doch auch etwas für sich hat, auch wenn man hieran und daran noch etwas arbeiten muss.
Vielleicht auf ein Neues im nächsten Jahr, am Besten im Team mit der zusätzlichen Chance auf eine Mannschaftswertung!

Denn ohne das Team und die Unterstützung im Training der U16/U18 wäre die Qualifikation zur DM im ersten Schritt nicht geglückt, auch an Lole, Annika und alle anderen geht dementsprechend ein großer Dank. 

Erfolgreich können Sportlerinnen nur glänzen, wenn sie enthusiastische und motivierte Trainer haben, die in guten wie in schlechten Phasen an die gemeinsamen Ziele glauben und immer mit großem persönlichen Einsatz vorangehen. Ein herzliches Dankeschön an Carsten und Andy, für ihr Training und ihre Unterstützung zu jeder Zeit.

Das Team hinter dem Team ist häufig weniger auffällig, aber auch wichtig. Dazu zählt die Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Abteilung, sowie natürlich die Unterstützung durch die Familie.

Abschließend allen diesen Personen ein großes Dankeschön.